Storch „Karlsson auf dem Dach“

Karlsson auf dem Dach. Foto: Sieg

Anzeige

Owschlag/Ascheffel (AN) –  Karlsson mag Schleswig-Holstein. Schon den zweiten Winter hintereinander hat der Weißstorch ab Mitte Dezember in Owschlags Ortsteil Norby verbracht. Dort bewohnt er den Horst auf dem Mast der Familie Tams-Detlefsen. Seit Anfang April hat er nun auch wieder eine Partnerin. Im Gegensatz zu Karlsson ist sie unberingt, was der Storchenliebe keinen Abbruch tut.

Den Kopf in den Nacken gelegt, klappern die beiden sich hingebungsvoll an. Und die Tams Detlefsens und der Weißstorch-Gebietsbetreuer Jürgen Lustig aus Rendsburg hoffen darauf, dass das Paar wie 2015  erneut erfolgreich drei Nachkommen großzieht.

Für Karlsson war dieser Winter allerdings nicht einfach, denn er hatte eine Verletzung an seinem rechten Bein. Vogelbeobachtern zufolge war es gebrochen. Vielleicht  mit ein Grund für den Storch, schon so früh zu den Tams-Detlefsens zurückzukehren. Ist er hier doch im vergangenen Winter ausgiebig gefüttert worden. „Als er kam, hat er gehumpelt”, erinnert sich Uta Tams Detlefsen, die Karlssons Horst vom Küchenfenster aus beobachten kann. Da der stattliche Vogel aus einer schwedischen Aufzuchtstation stammt und deutlich weniger Scheu vor Menschen zeigt als die meisten seiner Artgenossen, kann sie ihm auch bei der Nahrungssuche in den feuchten Wiesen am Hof zuschauen. Und natürlich hat sie ihn angesichts seines gebrochenen Beins auch wieder gefüttert. „Aber nicht so viel wie im Jahr zuvor”, berichtet die Landwirtin. Das Wetter sei insgesamt weniger frostig gewesen. Karlsson habe sich gut selber versorgen können.

Mittlerweile ist sein Bein geheilt. Von der Verletzung sei kaum noch etwas zu bemerken, informiert Lustig erfreut. Er hat Karlsson Mitte Januar gefilmt, als dieser seinen rechten „Ständer“, wie die Ornithologen die langen Storchenbeine bezeichnen, noch nicht wieder richtig benutzen konnte. Das kleine Video hat Lustig ins Netz gestellt.

 

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=qcpMp3U4Ebs[/embedyt]

 

Da Karlssons Partnerin ornithologisch gesehen ein unbeschriebenes Blatt ist, wisse er nicht mit letzter Sicherheit, ob sie dieselbe vom vergangenen Jahr sei, erklärt der Rendsburger Experte. Am 24. Februar, also lange vor ihrem Ankunftstag, dem 2. April, hatte Karlsson schon einmal weiblichen Besuch. Doch die beringte Störchin sei kurz darauf wieder von dannen geflogen. Die jetzige scheint nun aber Karlssons Herzensdame zu sein.

Dass der Storch sein Nest immer mal wieder gegen andere Wohnungssucher  seiner Spezies verteidigen muss, ist laut Lustig wegen des bestehenden Horst-Defizits nicht ungewöhnlich. Die  AN-Fotografin beobachtete zwei fremde Weißstörche, die interessiert den Norbyer  Mast umkreisten. Eine Weile ließ Karlsson sie gewähren, dann nahm er die Verfolgung auf und schlug die beiden in die Flucht.

Im vergangenen Jahr hat übrigens der partnerlos gebliebene Ascheffeler Storch seinen Norbyer Nachbarn das Leben schwer gemacht. Nach Überzeugung der Storchenbeobachterin des Ortes, Inge Rehbehn, ist es derselbe Adebar, der am 31. März dieses Jahres das von der Gemeinde frisch hergerichtete Nest auf dem Meiereischornstein bezogen hat. Auch das Dorf Ascheffel  hat nun also wieder einen Storch. „Hoffentlich wartet er nicht erneut vergeblich auf seine Frau”, sorgt sich Inge Rehbehn. Allerdings kann man laut Lustig per Fernglas nicht  feststellen, dass das Ascheffeler Tier tatsächlich männlichen Geschlechts ist. Theoretisch könnte da also auch eine Störchin auf ihren Mann warten. Wie auch immer: Schön wäre es, wenn sich auch in Ascheffel bald ein Paar anklappern würde. Tina Sieg

Anzeige

Kommentar hinterlassen zu "Storch „Karlsson auf dem Dach“"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*