Kiesabbau empört Bürger in Brekendorf

Bürgerinitiative (von links): Kerstin Wagner, Claus Voigt, Timo Kraft, Gerhard Guthardt, Rainer Mertens (dessen Töchterchen Clara vorne steht), Jens Jungclaus, Werner Schurawitzki und Tino Sieg

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Brekendorf (AN) –  Seit vielen Jahrzehnten wird in und um Brekendorf Kies abgebaut.  Wer dort lebt, kennt es nicht anders. Bürgermeister Gerhard Guthardt weist gern darauf hin, dass unter anderem der Hindenburgdamm nach Sylt aus Brekendorfer Kies besteht.

Doch jetzt soll eine knapp zehn Hektar große weitere Kiesgrube gleich hinter dem Nordrand des Dorfes entstehen. Die Gemeinde hat sich dagegen ausgesprochen, und auch viele Einwohner wollen diese Zerstörung eines der letzten noch intakten Landschaftsfleckens des  Ortes nicht hinnehmen. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet. Im Dorf hängen seit geraumer Zeit Plakate, auf denen das Wappentier Brekendorfs, die Ameise, gegen den Kiesabbau protestiert und die Bevölkerung dazu auffordert, am Freitag, 29. April an einer  Demonstration teilzunehmen. Sie führt vom Haus der Vereine und Verbände zum beabsichtigten Abbaugebiet am Nielander Weg.

40.000 Lkw-Fahrten im Ort
Im Trocken- und Nassabbau sollen innerhalb von zehn Jahren 726.000 Kubikmeter Sand und Kies bis in eine Tiefe von 22 Metern gewonnen werden. Dazu sind etwa 40.000 Lkw-Fahrten nötig. Bereits am 3. September 2015 hat der Kreis Rendsburg-Eckernförde    den Planfeststellungsbeschluss für die Auskiesung gefasst, obgleich die Gemeinde das Projekt abgelehnt und Bürger Einwände dagegen vorgebracht hatten. Kurz darauf reichte Brekendorfs Anwalt Klage gegen den Kreis beim Verwaltungsgericht Schleswig ein. Im November 2015 gab der Kreis dennoch dem Antrag des Lohe-Föhrdener Kiesunternehmers auf Sofortvollzug statt. Auch dagegen klagte Brekendorf. Inzwischen ließ die Firma zwei Knicks entfernen, um den Bau einer Zufahrtsstraße vorzubereiten, die den Nielander Weg kreuzen soll.

Begonnen hat alles bereits vor vier Jahren. Erst am 8. Mai 2012 war die Gemeinde allerdings über das anstehende Planfeststellungsverfahren (PFV) informiert worden, nachdem die Lohe-Föhrdener Firma den Kiesabbau bereits am 6. Februar 2012 beantragt hatte. Das PFV stellt zudem nicht den Kiesabbau, sondern die Renaturierung einiger Hundert Meter Brekendorfer Au vorne an.

Der Auskiesung widerspricht dem Regionalplan, der dem Gebiet eine besondere Bedeutung für Tourismus und Erholung bescheinigt, darüber hinaus auch dem Landschaftsplan der Gemeinde, sowie der im März 2016 vom Land genehmigten vierten Änderung des Flächennutzungsplans.

Die Gemeindevertretung hatte sich viele Stunden mit dem Thema beschäftigt. Sie ist nicht grundsätzlich gegen den Kiesabbau: Der gültige F-Plan weist 100 Hektar Abbaufläche im Süden und Südwesten nahe der Autobahn aus, in der Nähe der aktuellen Kiesgruben. Denn hier beeinträchtigt der Abbau die Bevölkerung vergleichsweise wenig.

Zerstörung der Landschaft droht
„Am Nordrand unseres Dorfes aber würde damit gegen sämtliche Schutzgüter verstoßen”, empört sich Bürgermeister Gerhard Guthardt. Er zählt auf: Die Zerstörung der Landschaft und damit eines beliebten Naherholungsgebietes, ein   benachbarter Reiterhof und der Kindergarten, Staub und Lärm sowie täglich mindestens 50 Lkw-Fuhren durchs Dorf. Dass die gemeindliche Planungshoheit vollkommen missachtet werden soll, erbost alle Mitglieder des kommunalen Gremiums.

Bereits im Mai 2013 hatten 200 Brekendorfer unterschrieben, dass sie gegen diesen Kiesabbau sind. „Der normale Dorfbewohner glaubt hier nicht mehr an Recht und Ordnung”, bemerkt die Architektin Kerstin Wagner. Sie hatte ihre Einwendungen an den Kreis auch schriftlich formuliert und im Dezember 2014 mit vielen weiteren Brekendorfer Bürgern an einem Anhörungstermin mit Kreisbehörden und Abbauunternehmer teilgenommen und ist jetzt verärgert: „Dieser Termin war eine Farce.” Tina Sieg

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