Hilfe für Landwirte in Not

Der Verfall der Milchpreise bringt Landwirte in Not. Fotos: Henze

Kiel (AN) –  Ein breites Bündnis von Landwirtschaftsministerium, Berufsverbänden, Landwirtschaftskammer, Nordkirche, Landfrauen und der Sozialversicherung will sich verstärkt für Landwirte in Notlagen einsetzen. Dazu werden Unterstützungsangebote in Schleswig-Holstein gestärkt und besser miteinander verbunden. Ein gemeinsamer Flyer fasst erstmals die Hilfsmöglichkeiten zusammen und soll breit informieren. Ziel ist es auch, damit für das Thema zu sensibilisieren.

„Die wirtschaftliche Lage bei vielen Landwirten ist schlecht, die bürokratischen Anforderungen sind stark gestiegen, die gesellschaftliche Debatte über die Landwirtschaft wird von allen Seiten oft hart geführt. Viele Landwirte sorgen sich um die Zukunft ihrer Höfe und ihrer Familien. Das kann zu enormem Druck führen. Wichtig ist, hier früh zu erkennen, wann der Druck zu groß ist und in Überforderung umschlägt. Dazu haben wir uns erstmals mit allen Beteiligten zusammengetan, um die bestehenden Hilfsangebote im Land zu stärken und besser zu koordinieren. Wir wollen damit ein Zeichen setzen“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck.

Anstoß war unter anderem der Jahresbericht von Professor Edgar Schallenberger, dem Vertrauensmann Tierschutz in der Nutztierhaltung. Er hatte festgestellt, dass Probleme in Tierhaltungen nicht zuletzt dann entstehen, wenn Tierhalterinnen und Tierhalter selbst in Notlagen geraten. Auf Einladung von Staatssekretärin Silke Schneider trafen sich daher der Vertrauensmann, Vertreter der landwirtschaftlichen Berufsverbände, der Landwirtschaftskammer, der Nordkirche sowie der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Gemeinsam wurden Problemkreise identifiziert und nach Unterstützungsangeboten für die Landwirte gesucht.

„Wir haben festgestellt, dass es bereits Hilfsangebote gibt. Aber die Bauern und Bäuerinnen müssen wissen, wo sie diese Hilfsangebote finden können“, sagte Staatssekretärin Silke Schneider. „Hinzu kommt die Scham, andere Menschen in privaten Angelegenheiten um Hilfe zu bitten. Diese Scham haben nicht nur Tierhalter und es ist schwer, sie zu überwinden. Mit unserem Flyer wollen wir ein Signal senden, dass wir offen über Angebote sprechen und in Not geratene Landwirte auffordern, von diesen Angeboten Gebrauch zu machen.“

In dem Flyer wurden Unterstützungsangebote zusammengefasst. Dort findet jeder Interessierte und jede Interessierte Ansprechpartner, die – falls gewünscht auch anonym – weiterhelfen oder weitergehende Beratungen vermitteln. Dies reicht vom Sorgentelefon der Nordkirche über die sozio-ökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer bis hin zur Beratung der SVLFG beim Umgang mit Stress und stressbedingten Belastungssituationen sowie zur einzelbetrieblichen Beratung für Milchviehbetriebe auf Initiative des Ministeriums. Die Hilfsangebote stehen auch Familienangehörigen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Nachbarn zur Verfügung. Im Herbst wollen die Akteure erneut zusammenkommen und den Prozess evaluieren.

„Manchmal ist es schon hilfreich, wenn eine unbeteiligte Person einen Blick von außen auf die Dinge wirft oder einfach nur zuhört. Die Probleme sind dann nicht verschwunden, aber ein neuer Blickwinkel zeigt oft Lösungswege auf, die man davor nicht gesehen hat“, sagte Silke Schneider.

Edgar Schallenberger, Vertrauensmann für Tierschutz in der Nutztierhaltung, erklärte: „Wenn Tiere vernachlässigt werden, ist das oft die sichtbare Spitze eines Tragödienbergs, der sich bei manchen Bauern durch finanzielle und familiäre Überforderung teils schleichend, manchmal eruptiv aufbaut. Die Brisanz der Entwicklungen der letzten Monate bestätigt die Notwendigkeit schneller psychosozialer Hilfen aus dem Berufsumfeld. Schleswig-Holstein könnte zu einer Modellregion koordinierter Zusammenarbeit werden.“

Milcherzeugung: Kein Geld zu verdienen.

Milcherzeugung: Kein Geld zu verdienen.

Anlässlich der Vorstellung der Hilfsangebote erklärte Martin Empl, Vorstandsvorsitzender der SVLFG: „Die SVLFG ist die solidarische Sozialversicherung für die Landwirte. Wir haben maßgeschneiderte Angebote zur Erhaltung der Gesundheit der bei uns versicherten Menschen.“

Der Präsident der Bauernverbandes Werner Schwarz erklärte: „Die Herausforderungen für den Landwirt als Unternehmer haben zugenommen. Wachsende Bürokratie und die Kritik an der Landwirtschaft stellen auch eine mentale Belastung dar. Bauern, die dem nicht mehr standhalten können, unterstützen wir. Der Bauernverband hat ein dichtes Netz an Kreisgeschäftsstellen und steht dort mit seinen Ansprechpartnern mit Rat und Tat zur Verfügung. Wir bringen die Hilfe direkt auf die Höfe.“

Kirsten Wosnitza vom Beirat Bund deutscher Milchviehalter e.V. (BDM) Schleswig-Holstein erklärte: „Jeder von uns kann in Not geraten, das gilt besonders für wirtschaftlich schwierige Zeiten. Wir wollen unseren Berufskollegen helfen, in solchen Situationen schnell die passenden Ansprechpartner und Beratungsangebote zu finden – das ist häufig ganz entscheidend.“

Agraringenieur Ulrich Ketelhodt, Fachreferent der Nordkirche für Landwirtschaft und Ernährung, betonte: „Für die Sorgen der Landwirte braucht es ein konzertiertes Bündel von Angeboten. So hilft das niederschwellige „Sorgentelefon für landwirtschaftliche Familien“ den Anrufenden, das passende Angebot zu finden.“

Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, sagte: „Auch in schwierigen Zeiten ist es Aufgabe und Verpflichtung für uns, alles zu tun, um für die Betriebe und Familien Betriebserfolg und Lebensqualität unter einen Hut zu bringen. Die Landwirtschaftskammer tut dieses mit hohem Engagement und Fachkompetenz in allen Produktionsbereichen, sowohl im Stall als auch auf dem Feld.“

Den Flyer gibt es in der gedruckten Version bei den o. a. Einrichtungen und auf der Internet-Seite des Landwirtschaftsministeriums: Link

 

 

Kommentar hinterlassen zu "Hilfe für Landwirte in Not"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*