Bedauerlich: Fähre Brunsbüttel – Cuxhaven gescheitert

Die "Anne-Marie" legt in Cuxhaven an. Fotos: Henze

Cuxhaven – Ende Februar war Schluss mit dem Fährverkehr zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel über die Elbe; jedenfalls vorläufig, wie die Elb-Link-Reederei bekannt gab. In finanziellen Schwierigkeiten steckte die deutsche Tochtergesellschaft der estnischen Reederei „Tuule Levad“ bereits 2016, so wurde gegen den deutschen Reederei-Geschäftsführer Christian Schulz, wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, bereits im letzten Sommer ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

So wie es aussieht, scheint jetzt auch der dritte Versuch gescheitert zu sein, die traditionelle Fährverbindung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen dauerhaft wiederbeleben zu können. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete kürzlich, dass der Fährbetrieb von Elb-Link nach zehn Monaten 12.000 Lkw, 66.000 Pkw und 320.000 Passagiere transportiert hätte. Damit war man, laut eines durch die niedersächsische Landesregierung in Auftrag gegebenen Gutachtens, weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt. Nach der Ansicht von Experten müssten die Fähren jährlich 48.000 Lkw, 265.000 Pkw und 625.000 Passagiere transportieren um rentabel zu sein.

Leere Parkflächen am Fähranleger in Cuxhaven.

Tatsächlich wurde die Inbetriebnahme der Linie durch die Elb-Link-Reederei im Sommer 2015 auf beiden Seiten der Elbe begrüßt, und durch die Umrüstung des Fähranlegers in Cuxhaven mit 1,4 Millionen Euro aus Landesmitteln finanziell auch abgefedert.

Dennoch war unübersehbar, dass die Elb-Link-Reederei, vermutlich durch Einflussnahme der estnischen Tuule- Gruppe, nur sehr halbherzig vorgegangen ist. So flankierten beispielsweise keinerlei Marketingmaßnahmen die Gründung oder den Betrieb der neuen Linie, auf Medienanfragen wurde entweder überhaupt nicht oder nur sehr verhalten reagiert. Im Umfeld der Reederei war allerdings zu hören, dass die Vermarktung der Linie bei der „Mutter“ für unnötig gehalten würde, „schließlich seien in Estland die Schiffe auch immer voll gewesen“.

Leere Decks: Erst in den letzten Monaten soll die Auslastung gestiegen sein.

An dieser Auffassung änderte sich ganz offensichtlich weder etwas durch die leeren Autodecks und Passagiersalons, noch durch die Anstellung von Bernd Bässmann als Betriebsleiter im letzten Jahr, einem sehr erfahrenen und erfolgreichen Schifffahrtsmanager, der zuvor bei der Flensburger „Förde Reederei Seetouristik“ tätig war.

Tatsächlich scheint die Aufnahme des Fährbetriebs auf der Elbe auch vermutlich weniger das Ergebnis einer unternehmenstaktischen Expansion gewesen zu sein, als möglicherweise durch die Tatsache bestimmt worden, dass die „Tuule Laevad“, als Muttergesellschaft der Elb-Link-Reederei, im Jahr 2015 die staatliche Ausschreibung für den Betrieb der Fährrouten zu und zwischen den estnischen Inseln Saaremaa und Hiumaa nicht mehr gewinnen konnte. Denn genau für diese Routen waren die hochmodernen Doppelend-Fähren, übrigens bauähnlich wie die Havneby-List-Fähre nach Sylt, beschafft worden und über die Jahre im Einsatz gewesen.

Zu wenig Passagiere, nichts los in der Gastronomie.

Der estnische Inselverkehr wird seit Oktober letzten Jahres von der „TS Laevad“-Reederei und der „Kihnu Veeteed“-Reederei betrieben. Wohl aus diesem Grund hatte die „Tuule Laevad“-Gruppe die hochmodernen Fähren „Saaremaa“ und „Muhumaa“ bereits im Sommer 2015 in Estland abgezogen und in die Elbe verlegt, um damit den „Grundstein“ für deren Weiterbetrieb zu legen. Im estnischen Inseldienst wurden die beiden Schiffe bis zum Auslaufen des Vertrags Ende September 2016 durch ältere Fähren ersetzt.

Die Fähre „Jonas“ ersetzte die in der Elbe eingesetzen Doppelendfähren zwischen Virtsu und Kuivastu 2015/16.

Der Autor wartet in Cuxhaven auf die „Anne-Marie“.

Umgeflaggt oder umbenannt wurden die beiden estnischen Fähren für den Dienst auf der Elbe nicht, die Namen „Grete“ und „Anne-Marie“ haben rechtlich keine Bedeutung. Tatsächlich scheint die Tuule-Gruppe durch den Verlust der estnischen Inseldienste wirtschaftlich ins Trudeln geraten zu sein, so dass von dieser Seite vermutlich keinerlei Unterstützung für die Wiederaufnahme des Fährbetriebs auf der Elbe zu erwarten sein dürfte.  Eine der beiden Fähren soll inzwischen nach Malta umgeflaggt worden sein. Für eine Wiederaufnahme der Linie spricht dies ebenfalls nicht. Wolfgang Henze

 

 

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